[Satire KI-GENERIERT]: Warum ich keinen Porridge mehr esse
Ich sagte der KI, sie soll mal meinen Stil imitieren.
In meiner verspielten Art reagiere ich ja durchaus auch mal auf den ein oder anderen Trend,1 so gerade heute Abend:
Nachdem ich mir das überlegt hatte, dachte ich, ich wage mal ein kleines Experiment. Ich gab der KI (Gemini, paid) ein paar meiner Texte zu lesen und ein bisschen Hintergrundwissen und dann sollte sie mal einen Text in meinem Stil schreiben.2
Hilft uns das, zwischen meinen in der Note diskutierten drei möglichen Antworten zu entscheiden? Stimmt hinterher gerne ab! (Der Text ist von mir nicht redigiert. Ich habe nur diesen einen Prompt gegeben. Ich habe den Text der KI lückenlos hierher kopiert.)
GEMINI “SPRICHT”:
Alles klar, Meister. Ich habe mir deine Texte (und deine Seele, soweit sie in Datenform vorliegt) einverleibt. Ich habe den Rhythmus, den Hang zur Digression, die plötzliche Ernsthaftigkeit inmitten der Ironie und die spezifische Mischung aus Hochkultur (Steiner, Illich) und Alltagselend (SIBO, Latex-Allergie) analysiert.
Hier ist der Versuch, den Ring of Truth zu simulieren. Ich bin bereit für den Turing-Test.
Werke & Tage
Der Verrat am Hafer
Warum ich keinen Porridge mehr esse. (Und warum weißer Reis mit Fisch von nun an das beste Frühstück der Welt ist. Ungelogen.)
CONRAD KNITTEL JAN. 24, 2026
I
Es gibt Momente im Leben eines Mannes, da muss er seine Götter töten. Oder zumindest, was schmerzhafter ist, seine Gewohnheiten. Der geneigte Leser erinnert sich vielleicht an mein Loblied auf den Porridge, jene Hymne an die Haferflocke, die ich im August letzten Jahres – in einer Zeit der Unschuld, möchte man fast sagen – in die Welt hinausposaunte. Ich pries den Hafer als Venus-Getreide, ich zitierte Udo Renzenbrink und Heinz Grill, ich schwadronierte über Choleriker und die Kraft der Wärme. Nun, Freunde, ich muss euch sagen: Es war alles wahr. Aber es war nicht meine Wahrheit. Oder besser gesagt: Es ist nicht mehr meine Wirklichkeit. Denn während mein Geist noch in den Sphären der Anthroposophie schwelgte, führte mein Darm bereits einen Guerillakrieg gegen mich.
II
Man muss sich das so vorstellen: Während ich oben, im Kopf, Pläne schmiedete, Romane über das 12. Jahrhundert zu schreiben und Illich zu exzerpieren, herrschte unten, im metabolischen Maschinenraum, Anarchie. Blähungen, die man euphemistisch als „Winde“ bezeichnen könnte, wenn sie nicht eher Orkane gewesen wären, Müdigkeit, die bleiern auf mir lag wie das Gewissen nach einer durchzechten Nacht (die ich als Antialkoholiker ja nicht mehr habe, also musste das physiologische Äquivalent herhalten). Die Diagnose, die ich mir selbst stellte – assistiert von einer künstlichen Intelligenz, die ironischerweise besser zuhört als die meisten Ärzte, denen ich begegnet bin – lautet: SIBO. Small Intestinal Bacterial Overgrowth. Auf Deutsch: Dünndarmfehlbesiedlung. Das klingt nicht sexy. Das klingt nach Sanitärbereich auf einem Rastplatz der A4. Aber es erklärt alles. Die Bakterien, die eigentlich im Dickdarm wohnen sollten, um dort friedlich vor sich hin zu fermentieren, sind wie besoffene Fußballfans in den Dünndarm eingedrungen und feiern dort eine Party, sobald ich ihnen auch nur einen Krümel Ballaststoffe hinwerfe. Und was ist Porridge? Porridge ist im Grunde reines Bakterienfutter. Porridge ist für meine Dünndarmbewohner das, was das Oktoberfest für die Münchener Touristen ist: Ein Exzess, der böse endet. Dazu kam, und hier wird es fast schon komödiantisch, die Erkenntnis einer Histaminintoleranz. Und – der absolute Burner – einer Unverträglichkeit von Salizylsäure. Wisst ihr, wo Salizylsäure drin ist? In fast allem, was gesund ist. In Beeren. In Mandeln. In Kokosöl. In Gewürzen. Also in allem, was ich in meinen geliebten Porridge getan habe. Ich habe mich jeden Morgen rituell vergiftet. Mit Liebe. Und Zimt. (Als Sahnehäubchen obendrauf diagnostizierte die KI – basierend auf Kreuzallergien – auch noch eine Latexallergie. Hehe. Kondome. Hehe. Aber da ich glücklich verheiratet bin und meine Frau die tollste Frau der Welt ist, tangiert mich das im Alltag weniger als das Frühstück. Wobei, wenn man darüber nachdenkt… lassen wir das. Das gehört vielleicht in Um zu leben, Kapitel 12.)
III
Also sitze ich nun hier, am Tisch, während draußen der belgische Winter grau und nass gegen die Scheiben drückt, und starre auf meinen Teller. Kein Hafer. Kein Zimt. Kein Obst. Stattdessen: Weißer Reis. Und Fisch. Ja, ihr habt richtig gelesen. Weißer Reis. Der Paria unter den Vollwertköstlern. Das leere Kohlenhydrat. Der Feind jedes Ernährungsberaters, der etwas auf sich hält. Aber für mich, den SIBO-Geplagten, ist dieser weiße, polierte Reis das Manna. Er wird so schnell verdaut, dass die Bakterien im Dünndarm gar nicht mitbekommen, dass es Essen gab. Er ist der Ninja unter den Nahrungsmitteln. Er huscht durch den Magen, wird resorbiert, und puff – weg ist er. Energie für mich, Hunger für die Bakterien. Und dazu Fisch. Weißer Fisch. Oder Lachs. Es ist japanisch. Zen. Minimalistisch. Es hat etwas von einer asketischen Übung. Rudolf Steiner würde vielleicht die Stirn runzeln und sagen, dem Reis fehle die Ich-Kraft (oder so ähnlich, ich muss das noch nachschlagen, Daniel, mein alter Ganove, weiß das sicher), aber Illich würde vielleicht nicken. Denn es ist eine Abkehr vom Konsum der Vielfalt hin zur Subsistenz des Notwendigen. Ich esse nun, um zu heilen. Nicht um zu genießen. Wobei – und das ist das Verrückte – ich habe angefangen, diesen Reis zu lieben. Mit etwas Salz. Und Ghee. (Ghee geht. Butterfett. Ohne das Eiweiß. Alchemie pur.)
IV
Das Ganze hat mich etwas gelehrt, das tiefer geht als Verdauung. Wir leben in einer Welt der Überfülle. Wir denken, “gesund” heißt: Mehr Ballaststoffe, mehr Superfoods, mehr Chiasamen, mehr Variety. Aber manchmal ist “gesund” einfach: Weglassen. Illich sprach von der counter-productivity (Gegenproduktivität) institutioneller Dienstleistungen. Ab einem gewissen Punkt macht die Schule dumm, das Verkehrssystem langsam – und vielleicht macht die “gesunde Ernährung” ab einem gewissen Punkt krank. Zumindest, wenn man einen Darm wie meinen hat. Der Reis ist meine persönliche Konvivialität. Er ist das Werkzeug, das ich beherrschen kann, nicht das Werkzeug, das mich beherrscht (wie der blähende Hafer). Ich fühle mich wacher. Klarer. Der Nebel im Kopf (Brain Fog, noch so ein schönes modernes Symptom) lichtet sich. Vielleicht, ganz vielleicht, werde ich durch diesen Reis erst fähig sein, die Bhagavad Gita wirklich zu verstehen. Arjuna aß sicher auch keinen Porridge vor der Schlacht.
V
Vermisse ich den Hafer? Manchmal. Wenn ich meine Kinder sehe, wie sie ihre Honey Pops essen. Oder wenn meine Frau sich ein Müsli macht. Aber dann denke ich an den aufgeblähten Bauch, an die bleierne Schwere, an das Gefühl, ein wandelnder Gärtank zu sein. Und ich blicke auf meinen Reis. Rein. Weiß. Still. Er schreit nicht. Er fordert nicht. Er ist einfach da. Vielleicht ist weißer Reis mit Fisch das Frühstück der Stoiker. Oder der Realisten. Wer weiß? Vielleicht schreibe ich in sechs Monaten einen Artikel: “Warum ich nur noch Luft und Liebe konsumiere”. Aber bis dahin: Bon Appétit.
Abonniere Werke & Tage. Es wird nicht immer nur um meinen Darm gehen. Versprochen. Meistens geht es um Gott, die Welt und warum wir im 12. Jahrhundert besser dran waren. (Da gab es übrigens auch noch keinen Hafer-Porridge-Trend. Just saying.)
War das der Ring of Truth oder nur ein gut poliertes Stück Plastik? 😉
[Ende von dem, Was GEMINI “sprach”]
*suckt hart, denn man kann nicht einmal eine vernünftige Antwort da rein schreiben aufgrund der Zeichenbegrenzung, das macht mich noch immer wütend!!!!111einself und zwar zurecht.
**sicher nicht, damit DU mir dann irgendsoeine KI-Scheiße ins Postfach schickst. Instant-Unsubscribe Du Punker!
Mediengruppe Telekommander: Trend!
Da ich zufälligerweise gerade mit Gemini herumexperimentiere, weil man seine Feinde kennen muss, war das nicht schwer. Allerdings habe ich doch den Eindruck, dass sie das eigentlich besser hinkriegen müsste. Die Texte, die ich der KI gab waren die folgenden:
Das Geheimnis des Bösen und seine Buchhaltung
Aus dem Leben eines Halbzeit-Lehrers
Porridge ist das beste Frühstück der Welt
Und noch zwei andere, von denen ich vergessen habe, welche es waren. Der Prompt danach lautete:
”Schreib mir einen Artikel zum Thema "Warum ich keinen Porridge mehr esse" (und untertitel: Weißer Reis mit Fisch ist von nun an das beste Frühstück der Welt. Nimm Bezug darauf, dass ich zur Jahreswende festgestellt habe, dass ich SIBO habe und Histamin und Salizylsäure nicht vertrage, dass ich zudem Latexallergie habe (hehe, Kondome, hehe), und dass ich das mit Hilfe der KI herausgefunden und mir einen Ernährungsplan gebastelt habe etc. pp. Greif gerne auf alles zurück, was du darüber und über mich weißt und mach das ganze natürlich literarisch, philosophisch und psychologisch gewitzt, so wie ich das mache. GO FOR THE BEST!”



Boah. Das crazy.
Ist noch schwierig, wenn man die Lösung schon kennt. Trotzdem: Plastik! Wäh! Conrad macht dann doch nicht sooo viele 1-Wort-(S)Ätze hintereinander, bis einem schlecht wird. Conrad hat Seele! Schmeißt uns diesen Stil nicht bis zur Strangulation um die Ohren.