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Im Gespräch sagte ich dir, dass mich dein Text an Die Schwarze Spinne von Jeremias Gotthelf erinnere. Leider zu knapp, leider zu wenig Raum für deinen gelungenen Text, und leider keine Herleitung meinerseits.

Hier also nochmal ausführlich:

Dein hervorragender Vergleich des dritten Reiches im Kontext deutscher Geschichte mit einem schwarzen Loch trifft gleich doppelt gut: unsere geschichtliche Aufmerksamkeit wiegt hier, wohl aus gutem Grund und auch ganz beabsichtigt, Stichwort Erinnerungskultur, besonders schwer. Gleichzeitig verbinden wir seit jeher das Dunkle mit dem Bösen.

Auch in der Novelle von Gotthelf ist die Spinne nicht zufällig schwarz. Sie tritt auf als Bestrafung des Teufels höchstpersönlich, terrorisiert die Dorfbewohner, bringt Tod und Verderben. In der Geschichte selbst lernen wir als Leser von Gut und Böse aus einer christlichen Perspektive. Diese prägt unser westliches Verständnis von beiden Begriffen besonders stark. Zwei Gegenspieler, die konträr zueinander stehen, kaum gleichzeitig existieren können und immer durch Gegenteile dargestellt werden.

Die christliche Farblehre zeigt klar: das Reine, das Weiße, es ist Gott. Es ist das Gute, das Glück, das Salz der Erde, das Licht der Welt und das Dunkle ist das Böse. Das Finstere, die Abwesenheit von Licht.

Dunkelheit ist eben physikalisch gesehen auch nur die Abwesenheit von Licht. Wir können keine Dunkelheit schaffen, wir können nur Licht wegnehmen. Im schwarzen Loch wird sogar das Licht verschluckt, so schwer ist die Anziehungskraft.

Wie konnte es also dazu kommen, wer hat das Licht weggenommen? Ich freue mich, deinen Substack weiter zu verfolgen und deine ganz eigene Antwort auf diese große Frage zu erlesen. Die oft genannte Kollektivschuld behandelt Gotthelf bereits 1842 und im Hinblick auf das Dritte Reich bekommt seine Erzählung eine neue Ebene!

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