Ah! Sorry! Ich hätte das vielleicht in Anführungsstriche setzen sollen. Das oben ist ein Zitat aus dem Text. Ich fand den Ausdruck „philosophische Sprach-Onanie“ einfach zu geil und kam aus dem Lachen nicht mehr raus, so dass ich nicht mehr weiter lesen konnte. Dem wollte ich nur Ausdruck verleihen. ;)
Äußerst lesenswerter Text, der alle wichtigen Hebel für die Gestaltung der gesellschaftlichen und individuellen Wirklichkeit beleuchtet!
"Hier verschwindet die Wirklichkeit des lebendigen, neugierigen, weltoffenen Kindes, das problemlösend und kreativ-tätig in die Welt hineinwächst hinter leblosen Zahlen und (Arte-)Fakten: Statistiken, Punkten, Zensuren, Zeugnisse und Zertifikate."
Das beschreibt ziemlich genau meine erlebte Wirklichkeit während meiner Schulzeit – ich konnte mir rückblickend betrachtet selbst dabei zuschauen, wie ich mich zunehmend von mir und meinen Potenzialen entferne. Wegen der gefühlten Ohnmacht und der quälenden Langeweile habe ich, in einem Akt der selbstbestimmten Rebellion gegen die Erwartungshaltung und den Widerstand aller Beteiligten, kurz vorm Abi die Schule geschmissen. Es erschien mir damals logisch und konsequent und brachte mich auf meinen Pfad durchs Leben. Statt dem Hamsterrad zu folgen und Physik zu studieren, bin ich meiner Leidenschaft gefolgt – und ich bereue nichts.
Bildung ist gleich nach Erziehung der größte und wirkungsvollste Hebel für die gesellschaftliche Transformation – um den beschriebenen freien Fall und den damit einhergehenden moralischen und ethischen Verfall der Menschheit zu bremsen, und die allgemeine Wirklichkeit zugunsten aller zu gestalten. Im Bereich Bildung ist scheinbar einiges in Bewegung – alternative Bildungseinrichtungen sind aber eher die Ausnahme und bleiben bisher den besserverdienenden Gesellschaftsschichten vorenthalten. Die AFD bekommt beim Gedanken die Schulpflicht abzuschaffen scheinbar feuchte Träume – das wäre sicherlich die denkbar schlechteste Lösung um der gesellschaftlichen Spaltung und den wirtschaftlichen und politischen Entgleisungen entgegenzuwirken.
Die zurecht angesprochenen verbindenden Erzählungen sind der nächste große Hebel. Darüber hatte ich mich im letzten Post ausgelassen, deswegen verlinke ich den mal ( https://substack.com/@pepekurzstrumpf/p-190819663 ). Wenn wir es als Gesellschaf oder als Menschheit schaffen eine gemeinsame Vision für die Zukunft zu beschreiben, an der wir uns ausrichten und messen lassen können, dann haben wir auch die Möglichkeit gemeinsam eine stimmigere und lebenswertere Wirklichkeit zu erschaffen. Der Weg ist das Ziel – aber ohne gemeinsame Richtung kommen wir nie an!
Und der Zugang zur magischen Welt wurde vollkommen zurecht fett gedruckt. Methoden wie Meditation, Kontemplation und Selbstreflexion sind die größten individuellen Hebel, um innerhalb der eigenen Wirklichkeit etwas mehr Sinn zu finden und Demut zu erfahren. Auf jeden Fall berauschender und sinnvoller als sich in berauschenden Substanzen zu verlieren – obwohl manche bei der Selbsterkenntnis durchaus hilfreich sein können.
Vielen Dank für deinen langen Kommentar! Und entschuldige bitte, dass ich erst jetzt antworte. Ich habe aus diversen Gründen einen Rückstau auf Substack anlaufen lassen, aber jetzt bin ich wieder voll da.
Dass du deinen Bildungsweg nicht bereust, kommt mir stimmig vor. Ich selbst bin ganz geradlinig ins Abitur gestolpert, hatte aber auch das Glück, insgesamt von der Schule sehr wenig tangiert zu werden. (Vllt auch weil wir enormen Unterrichtsausfall aufgrund kranker Lehrer hatten.) Mein Leben fand beim Magic-Spielen statt und später natürlich Alkohol, Bücher, und Frauen :) Schule ganz nebenbei. Ich erlebe jetzt als Lehrer, dass das viele Schüler so handhaben. Hat Vor- und Nachteile.
In Bezug auf die Schulpflicht möchte ich dir aber gerne widersprechen.
Ich bin nämlich der Ansicht, dass die AfD Sachsen-Anhalt (auf Bundesebene gibt es diese Forderung meines Wissens nicht) da ausnahmsweise einen validen Punkt hat, wenn sie die Schulpflicht durch eine Bildungspflicht ersetzen wollen: So ist das in fast allen europäischen Ländern, Deutschland bildet die absolute Ausnahme, und ich glaube, dass die typischen Argumente FÜR die “Schulgebäudeanwesenheitspflicht” alle empirisch widerlegt sind.
(Und übrigens auch alle linkshemosphärisch denkend sich in staatlichen Allmachtsfantasien ergehen. Es erinnert mich an das Argument: Aber wenn du Schüler nicht zwingst, am Matheunterricht teilzunehmen, dann lernen sie doch kein Mathe. Antwort: Die, die auch jetzt nur teilnehmen, weil du sie zwingst, können hinterher auch kein Mathe.)
Ja, die Realität (Latein *realis*: das Dingliche) ist nicht die Wirklichkeit, sie ist eine Teilmenge. Die Wirklichkeit ist alles, was wirkt.
Weil die Wissenschaft™ seit 400 Jahren ausschließlich die Materie als kausal betrachtet und erst heute in interdisziplinärer Synthese beweisbar klar wird, dass wir seit 16 Generationen basierend auf dieser Fehlannahme in eine erkenntnistheoretische Sackgasse laufen, wird es zunehmend schwer darüber zu sprechen.
Wir denken in den Symbolen unserer Kulturen, zentrale Symbole des Lebens wurden durch die falsche Behauptung des materialistischen Monismus korrumpiert.
Die englische Sprache hat übrigens kein Wort für Wirklichkeit, was viel über den Zustand der Welt sagt.
Wirklich süß, der Findus, bei uns heißt die Abhaarphase "Huskyglitzer", das kannst du für dich bzw Findus abwandeln. ;-)
Ich finde großen Gefallen an deinen Texten. Mein Philosophie-Studium ist schon etwas länger her und war leider nur Nebenfach, aber ich hatte vergessen, wieviel Freude das verkopfte Denken, das abstrakte Theoretisieren über "Gott und die Welt" doch macht.
Am Ende habe ich mich gefragt - da steckt jetzt mehr meine aktuelle "Wirklichkeit" drin -, ob der nächste Schritt nicht sein könnte, vom Kopf wieder mehr zu Herz und Bauch zu kommen?
In einem anderen Artikel schreibst du, der Nihilismus ist - ganz platt - da.
Nihilismus und auch Materialismus, beides "lebt", so meine Meinung, von er Abkehr von Emotionen. Die nihilistische Sicht der Welt, ignoriert, dass wir ein Gespür für Dinge haben, wir erkennen ganz klar zB Ungerechtigkeit. Der Mobber weiß, dass er mobbt, der Gemobbte weiß, dass er gemobbt wird. Gäbe es dieses Gefühl nicht, dass hier etwas Gemein ist, würde der Gemobbte nicht leiden und der Mobber nicht etwas ausleben, dass ihm selbst woanders widerfährt und sich dort für ihn unfair anfühlt.
Genau so glaube ich, wir brauchen kein Gesetz, um zu begreifen, dass ein Mord wider der Natur ist. Dafür braucht es weder Gesetz noch eine gesellschaftliche Übereinkunft.
Wenn also der Nihilismus aktuell die Wirklichkeit bestimmt, und ich stimme dem zu, könnte dann eine Hinwendung zu inneren -gefühlten- Wahrheiten ein Lösungsweg sein?
Spannend auch, wie du am Ende etwas magisches in der Welt siehst. Es ist sichtbar, dass Institutionen diese 2 Phasen haben: die Nutzphase und den Verfall bis sie schadhaft werden. Religion ist dafür ein gutes Beispiel. Menschen haben sie nutzbar gemacht, die Nutzbarkeit hat ein Machtvakuum erzeugt, Macht korrumpiert, der Nutzwert stirbt Stück für Stück. Leider ist es bei Politik ganz ähnlich; Winston Churchill sagte: „Die Demokratie ist die schlechteste aller Regierungsformen, ausgenommen all die anderen Formen, die von Zeit zu Zeit ausprobiert worden sind", und ich finde das spürbar.
Jedenfalls, ob es den einen Gott der Christen oder anderer Weltreligionen oder die vielen großen und kleinen Götter der Antike gibt (oder gab) ist am Ende nicht wirklich relevant, so oder so sind es kleingeistige, weil menschliche Vorstellungen von etwas Übermenschlichem.
Aber interessant ist die gemeinsame Basis, das Gefühl - da wären wir wieder bei Emotionen und Gefühlen -, dass da mehr ist, dass es Dinge gibt, die uns glauben machen, dass diese Welt nicht ausschließlich Chaos und Zufall ist. Doch einen wissenschaftlichen Beweis werden wir womöglich nie finden, denn ich bezweifle, dass die Erklärung am Ende ein bärtiger, mal jähzorniger, mal milder, alter Vater ist, der staunt, wenn wir eine Leiter in sein Himmelreich gebaut haben.
Mich bewegt dennoch etwas Wissenschaftliches: Das Gesetz der Energieerhaltung, das besagt, dass Energie nicht erzeugt oder vernichtet, sondern nur umgewandelt werden kann. Das lässt mich den Tod anders betrachten, aber auch das Leben und die Verbindung zwischen allem, was ist.
Danke für die vielen Denkanstöße und einen Blick auf eine vergessene Leidenschaft, die Philosophie!
Hey, wow, ist das ein langer und toller Kommentar! Danke! Ich antworte erst spät, weil ich Rückstau hatte und zudem viel zu tun, aber ich habe immer wieder drüber nachgedacht in der Zwischenzeit.
Ich denke, ich würde dir zustimmen, dass Gefühle eine wesentliche Rolle spielen, auch im Erkenntnisprozess, und dass insofern kaltes Denken ohne Gefühle keine Erkenntnis entstehen lässt. Ich würde aber, und da sind wir uns vllt etwas uneins, aber vielleicht auch nicht, das würde mich interessieren, (1) zwischen Emotionen und Empfindungen als zwei Arten von Gefühlen unterscheiden (es geht nicht um die Begrifflichkeiten, sondern um das, was ich darunter verstehe, dazu gleich mehr) und (2) die Bedeutung des Denkens doch recht hoch ansetzen.
Zu (1): Diese Unterscheidung erscheint mir sehr logisch und nachvollziehbar, aber schwierig in Worte zu fassen. Vllt klappt es am Besten über Beispiele. Eine Empfindung kann ich für Dinge haben, die ich wirklich wahrnehme, z.B. die Vertikalität einer Linie, oder die harmonischen Verhältnisse eines Gebäudes, aber auch für die Positionierung meines Körpers. Die Empfindungen sind immer aufbauend, belebend, sanft — selbst wenn sie Wahrnehmungen von etwas sind, das erst einmal nicht sympathisch ist. Emotionen hingegen überfallen einen und nehmen einem Freiheit. Wenn ich z.B. das gleiche Gebäude sehe, und aber nicht die Verhältnisse wahrnehmend auf mich wirken lasse, sondern mich nur an der Schönheit “ergötze”, das wäre eine Emotion, die eigentlich der Erkenntnis hinderlich ist. Pychologisch gesprochen könnte man sagen, dass die Emotionen etwas sind, durch das man eher bei sich selbst bleibt, oder bei der Vergangenheit bleibt, und die Empfindungen etwas, wodurch man in die Welt und in die Zukunft gezogen wird. Nicht sicher, ob das schon verständlich ist. Ich könnte sonst noch eine Yoga-Analogie anbieten ;)
Zu (2): Wenn Empfindungen das eigentlich Wertvolle sind, und wir diese über Wahrnehmungen erschaffen, dass wären unemotionale Wahrnehmungen erstrebenswert. Wodurch können wir unsere Wahrnehmungen diesbezüglich lenken? Ich würde sagen: Durch hinzugefügte Gedanken. Aber eben nicht kaltes algorithmisches Denken, sondern lebendiges “empfindsames” Denken.
:)
Es würde mich interessieren, ob du damit etwas anfangen kannst.
Danke auch dir für deinen ausführlichen Kommentar, den ich ebenfalls erst mal wirken lassen musste.
Handelt es sich um deine, ich sage mal, philosophische Sicht der Dinge oder hast du tieferes Wissen dazu?
Ich gestehe, ich habe es etwas unspezifisch formuliert, aber ich hole das ein wenig nach, vielleicht kommen wir auf einen gemeinsamen grünen Zweig, vielleicht bleibt jeder auf seinem Sitzen und wir winken uns einfach.
In der Psychologie gibt es Thesen/Strömungen, die besagen Emotionen und Gefühle sind nicht dasselbe - die Begriffe werden aber sehr schwimmend/schwammig vermischt. Emotionen sind körperlicher Ausdruck (Hormonausschüttung, Muskelspannung), Gefühle deine geistige Verarbeitung (Damasio), sie sind jedoch Grundlage für gute Entscheidungen (Beobachtungen von Menschen, die durch Hirnschädigung jene körperlichen Signale nicht verarbeiten treffen laut Damasio schlechte Entscheidungen) oder auch: es gibt 6 bzw später 7 Basisemotionen.(Ekman) auf die alles zurückzuführen ist, was du empfindest (hier empfehle ich den Pixar-Film "Alles steht Kopf").
Problematisch wird das mM nach, wenn man sich mit Traumaforschung befasst, Trauma liegt nämlich irgendwie noch darunter, ist noch unbewusster.
Mir war wichtig, dass Menschen dazu einen Zugang haben. Dass sie wahrnehmen, wenn ihr Atem flacher ist, ihr Herz schneller schlägt und dann überlegen, was ist das gerade?
Verschiedene Reize lösen verschiedene Reaktionen aus, im Körper und damit in den Gedanken aus. Wir sind aber heute sehr damit beschäftigt, uns davon abzulenken. Wir doom-scrollen zB statt in uns hinein zu hören, wenn sich etwas unangenehm anfühlt.
Und das führt, meiner Meinung nach, zu einem Nihilismus, der der Menschheit schadet. Die Entfremdung von uns selbst, unserem Körper, unseren Emotionen und den Gedanken dazu, wie du ja auch geschrieben hast.
Unsere Emotionen oder auch die Gedanken-Gefühle sollen uns keineswegs reiten. Unsere körperlichen Reaktionen halte ich für einen Kompass, der uns hilft uns so gut wie möglich durch's Leben zu manövrieren. Wir können das ohnehin nicht wirklich beherrschen, da bin ich sicher, wer in sich hineinfrisst/unterdrückt, wird krank (Matè).
Vielleicht macht es so mehr Sinn? Danke für's Lesen! 💚
Sorry für die erneut späte Antwort. Aber ist ja vllt eigentlich ein gutes Tempo für gedanklichen Austausch. Ich bin diesbezüglich und auch generell von Rudolf Steiner beeinflusst, aber trotzdem eher philosophisch unterwegs.
Ich versteh den Trauma-Aspekt, und ich will nicht leugnen, dass man sich auch mit seinen Emotionen je nach Kontext beschäftigen / auseinandersetzen muss.
Ich glaube aber auch, dass das zu einem einseitigen Beschäftigen mit sich selbst führen kann, das nicht weiter kommt. Empfindungen sind immer auf die Außenwelt bezogen und ziehen sozusagen den Menschen aus sich selbst heraus. Ich glaube, dass man bei guter Beobachtung mitkriegen kann, wie man richtiggehend leicht wird, sobald man seine Aufmerksamkeit nach Außen richtet und dass man schnell in eine gewisse Schwere fällt, die nicht unangenehm sein muss, oder in eine Verträumtheit, wenn man sich sozusagen in sein Inneres zurückzieht.
Natürlich braucht man trotzdem beides. Und natürlich sind Kompensationen (doom scrolling) oft kontraproduktiv, wenn vllt manchmal auch eine notwendige temporäre Stütze.
Ich bin diesbezüglich aber nicht vom Fach. Ich bin Philosoph und Lehrer. Aber ich könnte mir z.B. in dem Kontext vorstellen, dass meine Schüler traumatische Erlebnisse mit anderen Lehrern leichter überwinden können, wenn sie sich von mir jetzt bspw. wertschätzend wahrgenommen fühlen und das Gefühl (die Empfindung) mehr oder weniger bewusst haben, dieser Lehrer gibt mir Raum, statt ihn zu bedrängen.
Ich find das Bild von den Ästen, von denen man sich zuwinkt, schön :)
Mit Deinen Einschätzungen zum Schluss gehe ich nicht mit, aber Dein Versprechen, dass diesen Artikel auch jemand kapieren kann, der von Philosophie nichts versteht, hast Du eingehalten!
Grade weil ich mit Deinen Philosophentexten oft so Schwierigkeiten habe, hab ich noch eine lange Liste ungelesener Artikel von Dir auf Halde liegen.
„Verschwinden des Wirklichen hinter dem Messbaren“ am schmerzhaftesten empfinde: Eigentlich ist es nicht schmerzhaft; eher interessant. Überall. Und das Wirkliche, Bewegte (Heraklit), Lebende dringt nach meiner Erfahrung/Beobachtung seit (ca.) der Jahrtausendwende immer leichter durch das "dünner" werdende "Reale" durch. Es wird einfacher, die materialistische "Kruste" "weichzulächeln". Die (anthroposophische) Meditation hilft dabei enorm, da sie das klare Denken und das Stehen in den Bedingungen des Irdisch-Sinnlichen nicht verneint. Dadurch wird das Wirkliche immer wirkmächtiger, das Reale verliert die Schwere. Auch die Philosophie wird etwas "leichter".
Bernhard! Schön dass du zurück bist! Hab dich vermisst!
Und spannende Beobachtung, dass Du die Rückkehr des Wirklichen so stark erlebst. Ich glaube aber, dass das vielen nicht so geht. Die sind ganz schön eingesponnen. Und hat das nicht doch etwas Schmerzhaftes, auch wenn man zugleich über menschliche Torheit (die man ja auch immer zu Hauf in sich selbst hat) nachsichtig lächeln kann?
Lieber Conrad, danke für diesen lesenswerten Text. Ich habe da eine Menge Anregungen zum Weiterdenken mitgenommen. Was deine Einladung zur Diskussion betrifft: In deinem Text steckt so viel drin, dass es nicht leicht ist, zu entscheiden, wo man anfangen soll. Für mich wäre der Hinweis auf das metaphorische Mapping der Wissenschaft auf Grundlage von Francis Bacons Schriften vielleicht die interessanteste Einstiegsstelle. Denn es ist genau dort, so denke ich, wo individuelle "blinde Flecken" oder "dunkle Flecken" das Denken, die Wahrnehmung und die Realität einer ganzen Kultur prägen. - Und damit schlage ich mal den Kreis zurück zu deinem Restack meines Zitates: Ich denke, genau hier ist ein Argument für eine genaue Untersuchung der eigenen "blinden Flecken" und die Auseinandersetzung mit den eigenen Traumata. Sie beeinflussen die Art, wie wir die Welt wahrnehmen und Sinn konstruieren.
Abgesehen davon: Ich liebe die Bilder von Odilon Redon - und wie sie deinen Text für mich "öffnen".
Interessanter Vergleich. Ich vermute, wenn ich im individuellen Fall Trauma-Bewältigung für eine Sackgasse halte, sollte ich mir überlegen, ob es im kulturellen Fall nicht auch so ist. Mein Vorschlag: Vielleicht müssen wir zwar schon schauen, wo wir kulturelle Sackgassen und Fehlentscheidungen begangen haben, aber dann liegt die Hauptsache darin, neue kulturelle Wege zu betreten, statt zu lange an den alten herumzudoktorn?
Ja, ich stimme dir zu, dass wir neue kulturelle Wege betreten müssen – halte es aber für sinnvoll, erst zu verstehen, weshalb wir uns mit den alten Wegen so dermaßen in die Nesseln gesetzt haben…
Auf jeden Fall :) Genealogische Betrachtungen dazu, wie es kam, dass alles so seltsam eingerichtet ist, ist ja auch genau mein Steckenpferd. Insofern bin ich wohl doch für Vergangenheitsbewältigung.
Aber was heißt das? Und, wichtiger, ist das nicht doch nur philosophische Sprach-Onanie?
😂😂😂
Sorry
Kann grade nicht weiterlesen
🤣
Da steht, dass er Recht hat und erklären kann warum.
Ah! Sorry! Ich hätte das vielleicht in Anführungsstriche setzen sollen. Das oben ist ein Zitat aus dem Text. Ich fand den Ausdruck „philosophische Sprach-Onanie“ einfach zu geil und kam aus dem Lachen nicht mehr raus, so dass ich nicht mehr weiter lesen konnte. Dem wollte ich nur Ausdruck verleihen. ;)
Äußerst lesenswerter Text, der alle wichtigen Hebel für die Gestaltung der gesellschaftlichen und individuellen Wirklichkeit beleuchtet!
"Hier verschwindet die Wirklichkeit des lebendigen, neugierigen, weltoffenen Kindes, das problemlösend und kreativ-tätig in die Welt hineinwächst hinter leblosen Zahlen und (Arte-)Fakten: Statistiken, Punkten, Zensuren, Zeugnisse und Zertifikate."
Das beschreibt ziemlich genau meine erlebte Wirklichkeit während meiner Schulzeit – ich konnte mir rückblickend betrachtet selbst dabei zuschauen, wie ich mich zunehmend von mir und meinen Potenzialen entferne. Wegen der gefühlten Ohnmacht und der quälenden Langeweile habe ich, in einem Akt der selbstbestimmten Rebellion gegen die Erwartungshaltung und den Widerstand aller Beteiligten, kurz vorm Abi die Schule geschmissen. Es erschien mir damals logisch und konsequent und brachte mich auf meinen Pfad durchs Leben. Statt dem Hamsterrad zu folgen und Physik zu studieren, bin ich meiner Leidenschaft gefolgt – und ich bereue nichts.
Bildung ist gleich nach Erziehung der größte und wirkungsvollste Hebel für die gesellschaftliche Transformation – um den beschriebenen freien Fall und den damit einhergehenden moralischen und ethischen Verfall der Menschheit zu bremsen, und die allgemeine Wirklichkeit zugunsten aller zu gestalten. Im Bereich Bildung ist scheinbar einiges in Bewegung – alternative Bildungseinrichtungen sind aber eher die Ausnahme und bleiben bisher den besserverdienenden Gesellschaftsschichten vorenthalten. Die AFD bekommt beim Gedanken die Schulpflicht abzuschaffen scheinbar feuchte Träume – das wäre sicherlich die denkbar schlechteste Lösung um der gesellschaftlichen Spaltung und den wirtschaftlichen und politischen Entgleisungen entgegenzuwirken.
Die zurecht angesprochenen verbindenden Erzählungen sind der nächste große Hebel. Darüber hatte ich mich im letzten Post ausgelassen, deswegen verlinke ich den mal ( https://substack.com/@pepekurzstrumpf/p-190819663 ). Wenn wir es als Gesellschaf oder als Menschheit schaffen eine gemeinsame Vision für die Zukunft zu beschreiben, an der wir uns ausrichten und messen lassen können, dann haben wir auch die Möglichkeit gemeinsam eine stimmigere und lebenswertere Wirklichkeit zu erschaffen. Der Weg ist das Ziel – aber ohne gemeinsame Richtung kommen wir nie an!
Und der Zugang zur magischen Welt wurde vollkommen zurecht fett gedruckt. Methoden wie Meditation, Kontemplation und Selbstreflexion sind die größten individuellen Hebel, um innerhalb der eigenen Wirklichkeit etwas mehr Sinn zu finden und Demut zu erfahren. Auf jeden Fall berauschender und sinnvoller als sich in berauschenden Substanzen zu verlieren – obwohl manche bei der Selbsterkenntnis durchaus hilfreich sein können.
Vielen Dank für deinen langen Kommentar! Und entschuldige bitte, dass ich erst jetzt antworte. Ich habe aus diversen Gründen einen Rückstau auf Substack anlaufen lassen, aber jetzt bin ich wieder voll da.
Dass du deinen Bildungsweg nicht bereust, kommt mir stimmig vor. Ich selbst bin ganz geradlinig ins Abitur gestolpert, hatte aber auch das Glück, insgesamt von der Schule sehr wenig tangiert zu werden. (Vllt auch weil wir enormen Unterrichtsausfall aufgrund kranker Lehrer hatten.) Mein Leben fand beim Magic-Spielen statt und später natürlich Alkohol, Bücher, und Frauen :) Schule ganz nebenbei. Ich erlebe jetzt als Lehrer, dass das viele Schüler so handhaben. Hat Vor- und Nachteile.
In Bezug auf die Schulpflicht möchte ich dir aber gerne widersprechen.
Ich bin nämlich der Ansicht, dass die AfD Sachsen-Anhalt (auf Bundesebene gibt es diese Forderung meines Wissens nicht) da ausnahmsweise einen validen Punkt hat, wenn sie die Schulpflicht durch eine Bildungspflicht ersetzen wollen: So ist das in fast allen europäischen Ländern, Deutschland bildet die absolute Ausnahme, und ich glaube, dass die typischen Argumente FÜR die “Schulgebäudeanwesenheitspflicht” alle empirisch widerlegt sind.
(Und übrigens auch alle linkshemosphärisch denkend sich in staatlichen Allmachtsfantasien ergehen. Es erinnert mich an das Argument: Aber wenn du Schüler nicht zwingst, am Matheunterricht teilzunehmen, dann lernen sie doch kein Mathe. Antwort: Die, die auch jetzt nur teilnehmen, weil du sie zwingst, können hinterher auch kein Mathe.)
Den Link werde ich mir gleich mal anschauen :)
LG Conrad
Ja, die Realität (Latein *realis*: das Dingliche) ist nicht die Wirklichkeit, sie ist eine Teilmenge. Die Wirklichkeit ist alles, was wirkt.
Weil die Wissenschaft™ seit 400 Jahren ausschließlich die Materie als kausal betrachtet und erst heute in interdisziplinärer Synthese beweisbar klar wird, dass wir seit 16 Generationen basierend auf dieser Fehlannahme in eine erkenntnistheoretische Sackgasse laufen, wird es zunehmend schwer darüber zu sprechen.
Wir denken in den Symbolen unserer Kulturen, zentrale Symbole des Lebens wurden durch die falsche Behauptung des materialistischen Monismus korrumpiert.
Die englische Sprache hat übrigens kein Wort für Wirklichkeit, was viel über den Zustand der Welt sagt.
Wirklich süß, der Findus, bei uns heißt die Abhaarphase "Huskyglitzer", das kannst du für dich bzw Findus abwandeln. ;-)
Ich finde großen Gefallen an deinen Texten. Mein Philosophie-Studium ist schon etwas länger her und war leider nur Nebenfach, aber ich hatte vergessen, wieviel Freude das verkopfte Denken, das abstrakte Theoretisieren über "Gott und die Welt" doch macht.
Am Ende habe ich mich gefragt - da steckt jetzt mehr meine aktuelle "Wirklichkeit" drin -, ob der nächste Schritt nicht sein könnte, vom Kopf wieder mehr zu Herz und Bauch zu kommen?
In einem anderen Artikel schreibst du, der Nihilismus ist - ganz platt - da.
Nihilismus und auch Materialismus, beides "lebt", so meine Meinung, von er Abkehr von Emotionen. Die nihilistische Sicht der Welt, ignoriert, dass wir ein Gespür für Dinge haben, wir erkennen ganz klar zB Ungerechtigkeit. Der Mobber weiß, dass er mobbt, der Gemobbte weiß, dass er gemobbt wird. Gäbe es dieses Gefühl nicht, dass hier etwas Gemein ist, würde der Gemobbte nicht leiden und der Mobber nicht etwas ausleben, dass ihm selbst woanders widerfährt und sich dort für ihn unfair anfühlt.
Genau so glaube ich, wir brauchen kein Gesetz, um zu begreifen, dass ein Mord wider der Natur ist. Dafür braucht es weder Gesetz noch eine gesellschaftliche Übereinkunft.
Wenn also der Nihilismus aktuell die Wirklichkeit bestimmt, und ich stimme dem zu, könnte dann eine Hinwendung zu inneren -gefühlten- Wahrheiten ein Lösungsweg sein?
Spannend auch, wie du am Ende etwas magisches in der Welt siehst. Es ist sichtbar, dass Institutionen diese 2 Phasen haben: die Nutzphase und den Verfall bis sie schadhaft werden. Religion ist dafür ein gutes Beispiel. Menschen haben sie nutzbar gemacht, die Nutzbarkeit hat ein Machtvakuum erzeugt, Macht korrumpiert, der Nutzwert stirbt Stück für Stück. Leider ist es bei Politik ganz ähnlich; Winston Churchill sagte: „Die Demokratie ist die schlechteste aller Regierungsformen, ausgenommen all die anderen Formen, die von Zeit zu Zeit ausprobiert worden sind", und ich finde das spürbar.
Jedenfalls, ob es den einen Gott der Christen oder anderer Weltreligionen oder die vielen großen und kleinen Götter der Antike gibt (oder gab) ist am Ende nicht wirklich relevant, so oder so sind es kleingeistige, weil menschliche Vorstellungen von etwas Übermenschlichem.
Aber interessant ist die gemeinsame Basis, das Gefühl - da wären wir wieder bei Emotionen und Gefühlen -, dass da mehr ist, dass es Dinge gibt, die uns glauben machen, dass diese Welt nicht ausschließlich Chaos und Zufall ist. Doch einen wissenschaftlichen Beweis werden wir womöglich nie finden, denn ich bezweifle, dass die Erklärung am Ende ein bärtiger, mal jähzorniger, mal milder, alter Vater ist, der staunt, wenn wir eine Leiter in sein Himmelreich gebaut haben.
Mich bewegt dennoch etwas Wissenschaftliches: Das Gesetz der Energieerhaltung, das besagt, dass Energie nicht erzeugt oder vernichtet, sondern nur umgewandelt werden kann. Das lässt mich den Tod anders betrachten, aber auch das Leben und die Verbindung zwischen allem, was ist.
Danke für die vielen Denkanstöße und einen Blick auf eine vergessene Leidenschaft, die Philosophie!
Hey, wow, ist das ein langer und toller Kommentar! Danke! Ich antworte erst spät, weil ich Rückstau hatte und zudem viel zu tun, aber ich habe immer wieder drüber nachgedacht in der Zwischenzeit.
Ich denke, ich würde dir zustimmen, dass Gefühle eine wesentliche Rolle spielen, auch im Erkenntnisprozess, und dass insofern kaltes Denken ohne Gefühle keine Erkenntnis entstehen lässt. Ich würde aber, und da sind wir uns vllt etwas uneins, aber vielleicht auch nicht, das würde mich interessieren, (1) zwischen Emotionen und Empfindungen als zwei Arten von Gefühlen unterscheiden (es geht nicht um die Begrifflichkeiten, sondern um das, was ich darunter verstehe, dazu gleich mehr) und (2) die Bedeutung des Denkens doch recht hoch ansetzen.
Zu (1): Diese Unterscheidung erscheint mir sehr logisch und nachvollziehbar, aber schwierig in Worte zu fassen. Vllt klappt es am Besten über Beispiele. Eine Empfindung kann ich für Dinge haben, die ich wirklich wahrnehme, z.B. die Vertikalität einer Linie, oder die harmonischen Verhältnisse eines Gebäudes, aber auch für die Positionierung meines Körpers. Die Empfindungen sind immer aufbauend, belebend, sanft — selbst wenn sie Wahrnehmungen von etwas sind, das erst einmal nicht sympathisch ist. Emotionen hingegen überfallen einen und nehmen einem Freiheit. Wenn ich z.B. das gleiche Gebäude sehe, und aber nicht die Verhältnisse wahrnehmend auf mich wirken lasse, sondern mich nur an der Schönheit “ergötze”, das wäre eine Emotion, die eigentlich der Erkenntnis hinderlich ist. Pychologisch gesprochen könnte man sagen, dass die Emotionen etwas sind, durch das man eher bei sich selbst bleibt, oder bei der Vergangenheit bleibt, und die Empfindungen etwas, wodurch man in die Welt und in die Zukunft gezogen wird. Nicht sicher, ob das schon verständlich ist. Ich könnte sonst noch eine Yoga-Analogie anbieten ;)
Zu (2): Wenn Empfindungen das eigentlich Wertvolle sind, und wir diese über Wahrnehmungen erschaffen, dass wären unemotionale Wahrnehmungen erstrebenswert. Wodurch können wir unsere Wahrnehmungen diesbezüglich lenken? Ich würde sagen: Durch hinzugefügte Gedanken. Aber eben nicht kaltes algorithmisches Denken, sondern lebendiges “empfindsames” Denken.
:)
Es würde mich interessieren, ob du damit etwas anfangen kannst.
Danke auch dir für deinen ausführlichen Kommentar, den ich ebenfalls erst mal wirken lassen musste.
Handelt es sich um deine, ich sage mal, philosophische Sicht der Dinge oder hast du tieferes Wissen dazu?
Ich gestehe, ich habe es etwas unspezifisch formuliert, aber ich hole das ein wenig nach, vielleicht kommen wir auf einen gemeinsamen grünen Zweig, vielleicht bleibt jeder auf seinem Sitzen und wir winken uns einfach.
In der Psychologie gibt es Thesen/Strömungen, die besagen Emotionen und Gefühle sind nicht dasselbe - die Begriffe werden aber sehr schwimmend/schwammig vermischt. Emotionen sind körperlicher Ausdruck (Hormonausschüttung, Muskelspannung), Gefühle deine geistige Verarbeitung (Damasio), sie sind jedoch Grundlage für gute Entscheidungen (Beobachtungen von Menschen, die durch Hirnschädigung jene körperlichen Signale nicht verarbeiten treffen laut Damasio schlechte Entscheidungen) oder auch: es gibt 6 bzw später 7 Basisemotionen.(Ekman) auf die alles zurückzuführen ist, was du empfindest (hier empfehle ich den Pixar-Film "Alles steht Kopf").
Problematisch wird das mM nach, wenn man sich mit Traumaforschung befasst, Trauma liegt nämlich irgendwie noch darunter, ist noch unbewusster.
Mir war wichtig, dass Menschen dazu einen Zugang haben. Dass sie wahrnehmen, wenn ihr Atem flacher ist, ihr Herz schneller schlägt und dann überlegen, was ist das gerade?
Verschiedene Reize lösen verschiedene Reaktionen aus, im Körper und damit in den Gedanken aus. Wir sind aber heute sehr damit beschäftigt, uns davon abzulenken. Wir doom-scrollen zB statt in uns hinein zu hören, wenn sich etwas unangenehm anfühlt.
Und das führt, meiner Meinung nach, zu einem Nihilismus, der der Menschheit schadet. Die Entfremdung von uns selbst, unserem Körper, unseren Emotionen und den Gedanken dazu, wie du ja auch geschrieben hast.
Unsere Emotionen oder auch die Gedanken-Gefühle sollen uns keineswegs reiten. Unsere körperlichen Reaktionen halte ich für einen Kompass, der uns hilft uns so gut wie möglich durch's Leben zu manövrieren. Wir können das ohnehin nicht wirklich beherrschen, da bin ich sicher, wer in sich hineinfrisst/unterdrückt, wird krank (Matè).
Vielleicht macht es so mehr Sinn? Danke für's Lesen! 💚
Sorry für die erneut späte Antwort. Aber ist ja vllt eigentlich ein gutes Tempo für gedanklichen Austausch. Ich bin diesbezüglich und auch generell von Rudolf Steiner beeinflusst, aber trotzdem eher philosophisch unterwegs.
Ich versteh den Trauma-Aspekt, und ich will nicht leugnen, dass man sich auch mit seinen Emotionen je nach Kontext beschäftigen / auseinandersetzen muss.
Ich glaube aber auch, dass das zu einem einseitigen Beschäftigen mit sich selbst führen kann, das nicht weiter kommt. Empfindungen sind immer auf die Außenwelt bezogen und ziehen sozusagen den Menschen aus sich selbst heraus. Ich glaube, dass man bei guter Beobachtung mitkriegen kann, wie man richtiggehend leicht wird, sobald man seine Aufmerksamkeit nach Außen richtet und dass man schnell in eine gewisse Schwere fällt, die nicht unangenehm sein muss, oder in eine Verträumtheit, wenn man sich sozusagen in sein Inneres zurückzieht.
Natürlich braucht man trotzdem beides. Und natürlich sind Kompensationen (doom scrolling) oft kontraproduktiv, wenn vllt manchmal auch eine notwendige temporäre Stütze.
Ich bin diesbezüglich aber nicht vom Fach. Ich bin Philosoph und Lehrer. Aber ich könnte mir z.B. in dem Kontext vorstellen, dass meine Schüler traumatische Erlebnisse mit anderen Lehrern leichter überwinden können, wenn sie sich von mir jetzt bspw. wertschätzend wahrgenommen fühlen und das Gefühl (die Empfindung) mehr oder weniger bewusst haben, dieser Lehrer gibt mir Raum, statt ihn zu bedrängen.
Ich find das Bild von den Ästen, von denen man sich zuwinkt, schön :)
Mit Deinen Einschätzungen zum Schluss gehe ich nicht mit, aber Dein Versprechen, dass diesen Artikel auch jemand kapieren kann, der von Philosophie nichts versteht, hast Du eingehalten!
Grade weil ich mit Deinen Philosophentexten oft so Schwierigkeiten habe, hab ich noch eine lange Liste ungelesener Artikel von Dir auf Halde liegen.
Der hier war wirklich gut verständlich! 👏
Danke Conrad! Toll!
Zu deiner Frage, wo ich das
„Verschwinden des Wirklichen hinter dem Messbaren“ am schmerzhaftesten empfinde: Eigentlich ist es nicht schmerzhaft; eher interessant. Überall. Und das Wirkliche, Bewegte (Heraklit), Lebende dringt nach meiner Erfahrung/Beobachtung seit (ca.) der Jahrtausendwende immer leichter durch das "dünner" werdende "Reale" durch. Es wird einfacher, die materialistische "Kruste" "weichzulächeln". Die (anthroposophische) Meditation hilft dabei enorm, da sie das klare Denken und das Stehen in den Bedingungen des Irdisch-Sinnlichen nicht verneint. Dadurch wird das Wirkliche immer wirkmächtiger, das Reale verliert die Schwere. Auch die Philosophie wird etwas "leichter".
Bernhard! Schön dass du zurück bist! Hab dich vermisst!
Und spannende Beobachtung, dass Du die Rückkehr des Wirklichen so stark erlebst. Ich glaube aber, dass das vielen nicht so geht. Die sind ganz schön eingesponnen. Und hat das nicht doch etwas Schmerzhaftes, auch wenn man zugleich über menschliche Torheit (die man ja auch immer zu Hauf in sich selbst hat) nachsichtig lächeln kann?
Mein Gehirn verhakt sich an der Stelle, wo Abstraktion der Subtraktion gleich gesetzt wird.
Mir gefällt, dass Nazis Missionare sind.
Und ich bin nicht bis zum Ende des Textes vorgedrungen.
Mich beeindruckt, was meine Blog-Challenges auslösen!
Wenn du im Abstrakten Substraktion von Abstraktion subtrahierst, dann musst du dabei aufpassen nicht durch Null zu teilen :)
Lieber Conrad, danke für diesen lesenswerten Text. Ich habe da eine Menge Anregungen zum Weiterdenken mitgenommen. Was deine Einladung zur Diskussion betrifft: In deinem Text steckt so viel drin, dass es nicht leicht ist, zu entscheiden, wo man anfangen soll. Für mich wäre der Hinweis auf das metaphorische Mapping der Wissenschaft auf Grundlage von Francis Bacons Schriften vielleicht die interessanteste Einstiegsstelle. Denn es ist genau dort, so denke ich, wo individuelle "blinde Flecken" oder "dunkle Flecken" das Denken, die Wahrnehmung und die Realität einer ganzen Kultur prägen. - Und damit schlage ich mal den Kreis zurück zu deinem Restack meines Zitates: Ich denke, genau hier ist ein Argument für eine genaue Untersuchung der eigenen "blinden Flecken" und die Auseinandersetzung mit den eigenen Traumata. Sie beeinflussen die Art, wie wir die Welt wahrnehmen und Sinn konstruieren.
Abgesehen davon: Ich liebe die Bilder von Odilon Redon - und wie sie deinen Text für mich "öffnen".
Interessanter Vergleich. Ich vermute, wenn ich im individuellen Fall Trauma-Bewältigung für eine Sackgasse halte, sollte ich mir überlegen, ob es im kulturellen Fall nicht auch so ist. Mein Vorschlag: Vielleicht müssen wir zwar schon schauen, wo wir kulturelle Sackgassen und Fehlentscheidungen begangen haben, aber dann liegt die Hauptsache darin, neue kulturelle Wege zu betreten, statt zu lange an den alten herumzudoktorn?
Ja, ich stimme dir zu, dass wir neue kulturelle Wege betreten müssen – halte es aber für sinnvoll, erst zu verstehen, weshalb wir uns mit den alten Wegen so dermaßen in die Nesseln gesetzt haben…
Auf jeden Fall :) Genealogische Betrachtungen dazu, wie es kam, dass alles so seltsam eingerichtet ist, ist ja auch genau mein Steckenpferd. Insofern bin ich wohl doch für Vergangenheitsbewältigung.
(Arte-)Fakten
Nices Wortspiel