'ne Fußnote in der Fußnote! Conrad, Du hast eine Schallmauer durchbrochen! 😉
Dein Scherz über Petrus hält leider überhaupt nicht stand. a) Die Begebenheit geschah, bevor der Geist ausgegossen wurde. Das ist ein enormer Unterschied! b) Petrus hat mit ganzem Herzen geliebt. Und mit der Schwachheit des Fleisches Fehler gemacht, wie es leider alle Nachfolger Jesu tun, so lange sie im Fleisch leben. Diesen Fehler hat er jedoch bereut und öffentlich bekannt, er kehrte um zu seinem Herrn und zwar derart, dass er am Ende lieber für seine Überzeugung starb, als abzufallen.
Demgegenüber die organisierte Kirche, die mit der ekkläsía nichts gemein hat. Hier weht der Geist **nicht**, Fehler werden nicht zugegeben, Umkehr findet nicht statt, schon gar nicht gibt man sein Leben und seine Pfründe für Jesus auf. Sie ist dahingegeben.
hast recht. es gibt auch durchaus katholische denker, bei denen ich mich frage, wie viel weiter sie in ihrem denken wohl gekommen wären, wenn sie nicht im katholizismus eingesperrt gewesen wären...
Zuerst wieder mal ganz großen Dank, Conrad! Es klingt vielleicht seltsam, aber ich stelle fest, dass ich ein gewaltig starkes Fundament hinter (also: unter) deinen Wahrnehmungen, Analysen und Schlussfolgerungen wahrnehme, das ich als ein gleichermaßen intellektuelles wie geistiges und seelisches bezeichne. Diese Kombination halte ich für selten und von hohem Wert. Nun klingt das so, wie wenn ich deine Arbeit aus hoher Warte beurteilen könnte. Von Urteil aus hoher Warte kann aber absolut keine Rede sein. Es ist vielmehr eine Gesamt-Empfindung, die ... sorry, ich kann es nicht ausdrücken. Glaub es mir einfach 😉
Eine Stelle möchte ich noch kommentieren. Am Schluss des Abschnitts "Der Kollaps der Kostenexternalisierung" —> Gefangenendilemma schreibst du: "Es wäre besser für alle Spieler, wenn sie kooperieren könnten. Aber dazu müssten sie sich vertrauen. Und das Vertrauen haben wir systematisch ausgemerzt." Letzteres erfährt nach meiner Wahrnehmung eine Steigerung (lässt sich "systematisch ausmerzen" steigern?!), die ich für geradezu apokalyptisch halte. Und zwar durch die (Möglichkeit der) Verwendung von KI, genauer von LLM in Texten, durch die wir miteinander kommunizieren, Meinungen austauschen. Auch hier auf Substack findet diese Vertrauens-Erosion bereits statt. Ich sehe (noch) keinen Ausgang aus dieser tödlichen Sackgasse. Du?
Ich verstehe Rudolf Steiner dahingehend, dass mit der Bewusstseinseelenentwicklung ein gewisses Rausgeworfenwerden aus allen traditionellen Verbindungen notwendig wird, gefolgt — im idealen Fall, aber dann nur aus Freiheit errungen — von einer Wiedereinbindung in die Weltenzusammenhänge. Da stehen wir mitten drin.
Man könnte nun vermuten, dass LLMs paradigmatisch in dieser Funktion stehen und dass ihr Einfluss eine gewisse Notwendigkeit hat, dass wir sie also nicht scheuen sollten, sondern durchgeistigen. (So hat Steiner es in Bezug auf die Schreibmaschine formuliert. Das Mechanische am Tippen führt uns ins Ahrimanische, aber wenn es uns gelingt, die Tätigkeit mit unserem Bewusstsein zu führen, dann können gerade daran unsere geistigen Kräfte wachsen.) Vielleicht “schreiben” viele Menschen gerne mit LLMs, weil sie sich aufgrund des evolutionären Moments, in dem wir stehen, sehr einsam fühlen und LLMs nutzen können, um sich verstanden zu fühlen, ohne das Wagnis auf sich zu nehmen, mit Menschen in tieferen und verletzlichen Kontakt zu treten. Ich denke, es könnte durchaus gelingen, einen Sinn dafür zu entwickeln, ob hinter einem Text ein menschlicher Geist steht oder nicht. Den müssen wir entwickeln. Und wenn er nicht herausgefordert würde, könnten wir ihn vielleicht nicht ausreichend entwickeln.
Geht meine Antwort überhaupt in die Richtung, in die du wolltest?
Ich bin versucht, näher auf die Vertrauenserosion einzugehen, die ihr beide @Conrad Knittel u. @Bernhard Erne ansprecht. Ich denke auch, wie du Bernhard, dass KI diese Erosion noch steigert, vielleicht in ihr letztes Extrem. Aber auch das ist „nur“ Symptom. Ich glaube durch KI selbst lässt sich wenig verstehen. Besser versteht man diese Vertrauenserosion, wenn man anschaut, was an den alten Formen des Vertrauens nicht mehr lebt zwischen den Menschen (wieso hat mein Papa noch ausreichend Vertrauen in die Politiker gehabt, um wählen zu gehen? Z.B. wenn sie eine rhetorisch einwandfreie und strategisch polierte Rede gehalten haben - und warum kauf ich dem Menschen, der so eine Rede hält, in den allermeisten Fällen nichts mehr ab?). Dieses Was ist ohne Zweifel in einem neuen Geist zu finden. Viele sehen viel tiefer als noch vor 100 Jahren, wenn sie einem Menschen gegenüberstehen. Und viele von uns sehen heute einen Menschen und erst in zweiter Instanz einen Politiker. Solange die Bürger einen Politiker gesehen haben, also im Grunde genommen eine auf seine Funktion reduzierte Person, waren Strategie und Rhetorik vollkommen legitime Eigenschaften.
Für mich spricht das schon deutlich dafür, dass viele von uns diesen „Sinn“ für das Geistige im Menschen (gegenüber) heute haben, wenn auch noch sehr dunkel und dumpf. KI kann insofern eine unliebsame Hilfe sein, wie Conrad auch schon sagte, diesen „Sinn“ zu schärfen. Und gleichzeitig, das liegt auf der Hand, kann sie eben diesen Sinn völlig vernebeln.
Ich find‘s sehr spannend, wie sich in den letzten 5 Jahren insbesondere die Wahlkampfstrategien, aber überhaupt auch die propagandistischen Medienkampagnen verändert haben. PolitikerInnen sitzen jetzt in Podcasts und führen 3 Stunden lang ein Gespräch, das ungeschnitten veröffentlicht wird. Der neue Bürgermeister von New York ist ein Vorzeigebeispiel dafür, wie Politiker heute am besten Vertrauen gewinnen, wenn sie menschlich, d.h. nahbar, authentisch, mitunter auch verletzlich und fehlbar, dafür integer usw. in der Öffentlichkeit erscheinen. Ein großer Teil von Trumps Erfolg ist ja, dass er keinen Kommunikations-Kodex eingehalten hat in seiner Medienstrategie (nur dass er während seiner ersten Amtszeit auf Twitter gepostet hat, hat ihn viel nahbarer gemacht). Das ist in Deutschland immer noch nicht wirklich angekommen (Gysi ist ein Beispiel für eine angedeutete Authentizität, wobei auch die selten über das rein Politische hinausgeht).
Ok, ich könnte mich noch länger dazu verlieren. Aber das soll‘s erstmal machen. Liebste Grüße ihr beiden :)
Finde ich alles total nachvollziehbar. Ich würde gerne den Begriff der Konvivialität und des Vernakularen von Ivan Illich einwerfen, aber ich nehme an, die kennst Du eh schon und wir sind diesbezüglich durchaus Geschwister im Geiste.
'ne Fußnote in der Fußnote! Conrad, Du hast eine Schallmauer durchbrochen! 😉
Dein Scherz über Petrus hält leider überhaupt nicht stand. a) Die Begebenheit geschah, bevor der Geist ausgegossen wurde. Das ist ein enormer Unterschied! b) Petrus hat mit ganzem Herzen geliebt. Und mit der Schwachheit des Fleisches Fehler gemacht, wie es leider alle Nachfolger Jesu tun, so lange sie im Fleisch leben. Diesen Fehler hat er jedoch bereut und öffentlich bekannt, er kehrte um zu seinem Herrn und zwar derart, dass er am Ende lieber für seine Überzeugung starb, als abzufallen.
Demgegenüber die organisierte Kirche, die mit der ekkläsía nichts gemein hat. Hier weht der Geist **nicht**, Fehler werden nicht zugegeben, Umkehr findet nicht statt, schon gar nicht gibt man sein Leben und seine Pfründe für Jesus auf. Sie ist dahingegeben.
hast recht. es gibt auch durchaus katholische denker, bei denen ich mich frage, wie viel weiter sie in ihrem denken wohl gekommen wären, wenn sie nicht im katholizismus eingesperrt gewesen wären...
Zuerst wieder mal ganz großen Dank, Conrad! Es klingt vielleicht seltsam, aber ich stelle fest, dass ich ein gewaltig starkes Fundament hinter (also: unter) deinen Wahrnehmungen, Analysen und Schlussfolgerungen wahrnehme, das ich als ein gleichermaßen intellektuelles wie geistiges und seelisches bezeichne. Diese Kombination halte ich für selten und von hohem Wert. Nun klingt das so, wie wenn ich deine Arbeit aus hoher Warte beurteilen könnte. Von Urteil aus hoher Warte kann aber absolut keine Rede sein. Es ist vielmehr eine Gesamt-Empfindung, die ... sorry, ich kann es nicht ausdrücken. Glaub es mir einfach 😉
Eine Stelle möchte ich noch kommentieren. Am Schluss des Abschnitts "Der Kollaps der Kostenexternalisierung" —> Gefangenendilemma schreibst du: "Es wäre besser für alle Spieler, wenn sie kooperieren könnten. Aber dazu müssten sie sich vertrauen. Und das Vertrauen haben wir systematisch ausgemerzt." Letzteres erfährt nach meiner Wahrnehmung eine Steigerung (lässt sich "systematisch ausmerzen" steigern?!), die ich für geradezu apokalyptisch halte. Und zwar durch die (Möglichkeit der) Verwendung von KI, genauer von LLM in Texten, durch die wir miteinander kommunizieren, Meinungen austauschen. Auch hier auf Substack findet diese Vertrauens-Erosion bereits statt. Ich sehe (noch) keinen Ausgang aus dieser tödlichen Sackgasse. Du?
Hey, danke :)
Ich verstehe Rudolf Steiner dahingehend, dass mit der Bewusstseinseelenentwicklung ein gewisses Rausgeworfenwerden aus allen traditionellen Verbindungen notwendig wird, gefolgt — im idealen Fall, aber dann nur aus Freiheit errungen — von einer Wiedereinbindung in die Weltenzusammenhänge. Da stehen wir mitten drin.
Man könnte nun vermuten, dass LLMs paradigmatisch in dieser Funktion stehen und dass ihr Einfluss eine gewisse Notwendigkeit hat, dass wir sie also nicht scheuen sollten, sondern durchgeistigen. (So hat Steiner es in Bezug auf die Schreibmaschine formuliert. Das Mechanische am Tippen führt uns ins Ahrimanische, aber wenn es uns gelingt, die Tätigkeit mit unserem Bewusstsein zu führen, dann können gerade daran unsere geistigen Kräfte wachsen.) Vielleicht “schreiben” viele Menschen gerne mit LLMs, weil sie sich aufgrund des evolutionären Moments, in dem wir stehen, sehr einsam fühlen und LLMs nutzen können, um sich verstanden zu fühlen, ohne das Wagnis auf sich zu nehmen, mit Menschen in tieferen und verletzlichen Kontakt zu treten. Ich denke, es könnte durchaus gelingen, einen Sinn dafür zu entwickeln, ob hinter einem Text ein menschlicher Geist steht oder nicht. Den müssen wir entwickeln. Und wenn er nicht herausgefordert würde, könnten wir ihn vielleicht nicht ausreichend entwickeln.
Geht meine Antwort überhaupt in die Richtung, in die du wolltest?
@Paul Anouk Leo, was meinst du? :)
Ich bin versucht, näher auf die Vertrauenserosion einzugehen, die ihr beide @Conrad Knittel u. @Bernhard Erne ansprecht. Ich denke auch, wie du Bernhard, dass KI diese Erosion noch steigert, vielleicht in ihr letztes Extrem. Aber auch das ist „nur“ Symptom. Ich glaube durch KI selbst lässt sich wenig verstehen. Besser versteht man diese Vertrauenserosion, wenn man anschaut, was an den alten Formen des Vertrauens nicht mehr lebt zwischen den Menschen (wieso hat mein Papa noch ausreichend Vertrauen in die Politiker gehabt, um wählen zu gehen? Z.B. wenn sie eine rhetorisch einwandfreie und strategisch polierte Rede gehalten haben - und warum kauf ich dem Menschen, der so eine Rede hält, in den allermeisten Fällen nichts mehr ab?). Dieses Was ist ohne Zweifel in einem neuen Geist zu finden. Viele sehen viel tiefer als noch vor 100 Jahren, wenn sie einem Menschen gegenüberstehen. Und viele von uns sehen heute einen Menschen und erst in zweiter Instanz einen Politiker. Solange die Bürger einen Politiker gesehen haben, also im Grunde genommen eine auf seine Funktion reduzierte Person, waren Strategie und Rhetorik vollkommen legitime Eigenschaften.
Für mich spricht das schon deutlich dafür, dass viele von uns diesen „Sinn“ für das Geistige im Menschen (gegenüber) heute haben, wenn auch noch sehr dunkel und dumpf. KI kann insofern eine unliebsame Hilfe sein, wie Conrad auch schon sagte, diesen „Sinn“ zu schärfen. Und gleichzeitig, das liegt auf der Hand, kann sie eben diesen Sinn völlig vernebeln.
Ich find‘s sehr spannend, wie sich in den letzten 5 Jahren insbesondere die Wahlkampfstrategien, aber überhaupt auch die propagandistischen Medienkampagnen verändert haben. PolitikerInnen sitzen jetzt in Podcasts und führen 3 Stunden lang ein Gespräch, das ungeschnitten veröffentlicht wird. Der neue Bürgermeister von New York ist ein Vorzeigebeispiel dafür, wie Politiker heute am besten Vertrauen gewinnen, wenn sie menschlich, d.h. nahbar, authentisch, mitunter auch verletzlich und fehlbar, dafür integer usw. in der Öffentlichkeit erscheinen. Ein großer Teil von Trumps Erfolg ist ja, dass er keinen Kommunikations-Kodex eingehalten hat in seiner Medienstrategie (nur dass er während seiner ersten Amtszeit auf Twitter gepostet hat, hat ihn viel nahbarer gemacht). Das ist in Deutschland immer noch nicht wirklich angekommen (Gysi ist ein Beispiel für eine angedeutete Authentizität, wobei auch die selten über das rein Politische hinausgeht).
Ok, ich könnte mich noch länger dazu verlieren. Aber das soll‘s erstmal machen. Liebste Grüße ihr beiden :)
Vielen Dank für Deinen Kommentar, Liebe Lautes :)
Finde ich alles total nachvollziehbar. Ich würde gerne den Begriff der Konvivialität und des Vernakularen von Ivan Illich einwerfen, aber ich nehme an, die kennst Du eh schon und wir sind diesbezüglich durchaus Geschwister im Geiste.