Ich halte den Schluss vom „Mittelweg zwischen Nationalismus und Universalismus“ für nicht überzeugend. Dass die NS-Rassenlehre ideologisch verzerrt und für verbrecherische Zwecke missbraucht wurde, bedeutet nicht, dass jede Auseinandersetzung mit Abstammung, Ethnien oder Völkern grundsätzlich wissenschaftlich oder moralisch falsch wäre.
Entscheidend ist außerdem, wie man Nationalismus definiert. Historisch war der Begriff lange vor allem kulturell geprägt und nicht politisch. Eine Kulturnation, die den Erhalt der eigenen Sprache, Traditionen und Identität anstrebt, erscheint mir grundsätzlich sinnvoll – nicht gegen andere Völker, sondern gerade im Interesse der weltweiten kulturellen Vielfalt.
Wenn man kulturelle Kontinuität erhalten möchte, genügt ein vager „Mittelweg“ kaum. Denn auch begrenzte, aber dauerhafte Vermischung verändert Ethnien und Kulturen langfristig. Die eigentliche Debatte sollte daher nicht lauten „Nationalismus oder Universalismus“, sondern wie sich kulturelle Identität und die Vielfalt der Völker bewahren lassen, ohne in Überlegenheitsdenken (der Hauptdenkfehler der Nazis und vieler anderer extremistischer, vor allem religiöser Gruppen) oder Feindbilder zu verfallen und inwiefern der Erhalt der eigenen Kultur angestrebt werden sollte.
Identität ist sowas Wichtiges. Aber nicht um jeden Preis. Ich selbst habe mich als Kind als Deutsche identifiziert, bis ich nach Österreich auswanderte und das Österreichische schätzen lernte, zumal ja auch mein Vater Österreicher ist. Und meiner Mutter war das nicht recht, dass ich meine Identität nicht viel mehr in Ihrer Nation sah... Aber Sprache und Nationalität gehen Hand in Hand. Ich beherrsche das Englische bis heute nur unvollkommen. Dies ist eigentlich meine "Muttersprache", wie mein Vater immer witzelte. Also vereinen sich in mir drei Nationen. Das Deutsche, das Österreichische und das Britische (bzw das Schottische)
Hach, willkommen im Club der “Zerrissenen”. Aber ich verstehe die Story noch nicht ganz: Wenn dein Vater Österreicher ist und deine Mutter Schottin, wieso hast du dich dann als Deutsche identifiziert?
Sag mal, sprichst du dich mittlerweile mit Christoph Klinger ab über die Themen der Artikel? ;) Jetzt habt ihr parallel über deutsche Identität geschrieben.
Und du? Als was empfindest du dich? Belgier, Deutscher oder Australier? Und warum?
Danke für die Zusammenfassung des Buches. Jetzt kann ich deine Begeisterung etwas besser nachvollziehen. Vielleicht lege ich mich ja doch nochmal in den Pool und lese mir die Seiten durch, die du mir geschickt hast.
Ein hoch wertvoller Artikel, Conrad! Ich wünschte, "tout Europe" würde ihn lesen, verstehen und beherzigen. Die Fußnoten 2 und 3, Kapitel 1 betreffend, treffen (jaja, Volltreffer ;) sehr genau die mir zentral scheinenden Punkte.
Kurz zu meiner Perspektive: Als Eidgenosse mit gemischt-sprachigen Eltern (d/fr), einschließlich einem sehr kleinen Teil finnischer Herkunft, fühle (= seelisch) ich mich als Schweizer mit klarem Bewusstsein (= mental) der Landesgrenzen, obwohl diese scheinbar beliebig/zufällig die d/fr/it Sprachregionen zerschneiden. Ich habe zur Schweiz eine deutliche Empfindung von Heimat (Vater-/Mutterland), würde aber als zu Landesverteidigung (wie bitte? was genau?) aufgebotener Soldat niemals auf Italiener, Franzosen oder Deutsche schießen wollen. Absurd! Und als Patriot würde ich mich nicht bezeichnen. Das sagt für sich noch nichts. Es zeigt nur, dass die Begriffe oft äußerst beladen sind mit stark emotionalen Tendenzen. Das ist z.B. an der Wortgruppe Nation / Nationalität / Nationalismus ablesbar.
Vielleicht schreibe ich nochmal, zum Thema Staat und Individuum.
Und die Ungarn sind gar nicht erwähnt, dabei ist deren Sprache ja extrem unangepasst ...
Ich stelle mir manchmal, wenn wieder einmal von den NationalSOZIALISTEN die Rede ist, gerne vor, wie dereinst (wenn sie alle vor Gottes Gericht erscheinen müssen) womöglich offenbar wird, dass sie von den in die Welt verstreuten (nach Europa gewanderten) 10 Stämmen Israels abstammen. Das wäre mal ein Humor!
Zu Deiner Fußnote 8 möchte ich berichten, wie mir eine "Russlanddeutsche" erzählte, in was für Not sie gestürzt wurde: Dort als Deutsche unterdrückt (Opfer), waren sie jetzt, in Deutschland, plötzlich Täter (Nationalsozialismus). Als sie in der Schule davon erfuhr, das hatte man in Russland wohl verschwiegen, war sie zutiefst traumatisiert.
Ich halte den Schluss vom „Mittelweg zwischen Nationalismus und Universalismus“ für nicht überzeugend. Dass die NS-Rassenlehre ideologisch verzerrt und für verbrecherische Zwecke missbraucht wurde, bedeutet nicht, dass jede Auseinandersetzung mit Abstammung, Ethnien oder Völkern grundsätzlich wissenschaftlich oder moralisch falsch wäre.
Entscheidend ist außerdem, wie man Nationalismus definiert. Historisch war der Begriff lange vor allem kulturell geprägt und nicht politisch. Eine Kulturnation, die den Erhalt der eigenen Sprache, Traditionen und Identität anstrebt, erscheint mir grundsätzlich sinnvoll – nicht gegen andere Völker, sondern gerade im Interesse der weltweiten kulturellen Vielfalt.
Wenn man kulturelle Kontinuität erhalten möchte, genügt ein vager „Mittelweg“ kaum. Denn auch begrenzte, aber dauerhafte Vermischung verändert Ethnien und Kulturen langfristig. Die eigentliche Debatte sollte daher nicht lauten „Nationalismus oder Universalismus“, sondern wie sich kulturelle Identität und die Vielfalt der Völker bewahren lassen, ohne in Überlegenheitsdenken (der Hauptdenkfehler der Nazis und vieler anderer extremistischer, vor allem religiöser Gruppen) oder Feindbilder zu verfallen und inwiefern der Erhalt der eigenen Kultur angestrebt werden sollte.
Das scheint mir aber das zu sein, was gesunden Patriotismus (als aristotelisch verstandenen Mittelweg (mesotes)) ausmachen würde, oder nicht?
Identität ist sowas Wichtiges. Aber nicht um jeden Preis. Ich selbst habe mich als Kind als Deutsche identifiziert, bis ich nach Österreich auswanderte und das Österreichische schätzen lernte, zumal ja auch mein Vater Österreicher ist. Und meiner Mutter war das nicht recht, dass ich meine Identität nicht viel mehr in Ihrer Nation sah... Aber Sprache und Nationalität gehen Hand in Hand. Ich beherrsche das Englische bis heute nur unvollkommen. Dies ist eigentlich meine "Muttersprache", wie mein Vater immer witzelte. Also vereinen sich in mir drei Nationen. Das Deutsche, das Österreichische und das Britische (bzw das Schottische)
Hach, willkommen im Club der “Zerrissenen”. Aber ich verstehe die Story noch nicht ganz: Wenn dein Vater Österreicher ist und deine Mutter Schottin, wieso hast du dich dann als Deutsche identifiziert?
Weil ich dort geboren und aufgewachsen bin.
Sag mal, sprichst du dich mittlerweile mit Christoph Klinger ab über die Themen der Artikel? ;) Jetzt habt ihr parallel über deutsche Identität geschrieben.
Und du? Als was empfindest du dich? Belgier, Deutscher oder Australier? Und warum?
Danke für die Zusammenfassung des Buches. Jetzt kann ich deine Begeisterung etwas besser nachvollziehen. Vielleicht lege ich mich ja doch nochmal in den Pool und lese mir die Seiten durch, die du mir geschickt hast.
Ein hoch wertvoller Artikel, Conrad! Ich wünschte, "tout Europe" würde ihn lesen, verstehen und beherzigen. Die Fußnoten 2 und 3, Kapitel 1 betreffend, treffen (jaja, Volltreffer ;) sehr genau die mir zentral scheinenden Punkte.
Kurz zu meiner Perspektive: Als Eidgenosse mit gemischt-sprachigen Eltern (d/fr), einschließlich einem sehr kleinen Teil finnischer Herkunft, fühle (= seelisch) ich mich als Schweizer mit klarem Bewusstsein (= mental) der Landesgrenzen, obwohl diese scheinbar beliebig/zufällig die d/fr/it Sprachregionen zerschneiden. Ich habe zur Schweiz eine deutliche Empfindung von Heimat (Vater-/Mutterland), würde aber als zu Landesverteidigung (wie bitte? was genau?) aufgebotener Soldat niemals auf Italiener, Franzosen oder Deutsche schießen wollen. Absurd! Und als Patriot würde ich mich nicht bezeichnen. Das sagt für sich noch nichts. Es zeigt nur, dass die Begriffe oft äußerst beladen sind mit stark emotionalen Tendenzen. Das ist z.B. an der Wortgruppe Nation / Nationalität / Nationalismus ablesbar.
Vielleicht schreibe ich nochmal, zum Thema Staat und Individuum.
Und die Ungarn sind gar nicht erwähnt, dabei ist deren Sprache ja extrem unangepasst ...
Ich stelle mir manchmal, wenn wieder einmal von den NationalSOZIALISTEN die Rede ist, gerne vor, wie dereinst (wenn sie alle vor Gottes Gericht erscheinen müssen) womöglich offenbar wird, dass sie von den in die Welt verstreuten (nach Europa gewanderten) 10 Stämmen Israels abstammen. Das wäre mal ein Humor!
Zu Deiner Fußnote 8 möchte ich berichten, wie mir eine "Russlanddeutsche" erzählte, in was für Not sie gestürzt wurde: Dort als Deutsche unterdrückt (Opfer), waren sie jetzt, in Deutschland, plötzlich Täter (Nationalsozialismus). Als sie in der Schule davon erfuhr, das hatte man in Russland wohl verschwiegen, war sie zutiefst traumatisiert.
Ob ich mich da von Fußnote 8 angesprochen fühle? Oh ja. Das tue ich 😅